Pueraria mirifica: Die stärkste Phytoöstrogen-Pflanze der Welt?

Pueraria mirifica Wurzelknolle mit Querschnitt — konzentrische Jahresringe sichtbar, daneben frische Blätter und lila Blüten auf rustikalem Holz

Kurz erklärt: Pueraria mirifica — in Thailand als „Kwao Krua Khao“ (กวาวเครือขาว) bekannt — ist eine der faszinierendsten Heilpflanzen Südostasiens. Ihre Wurzel enthält Phytoöstrogene, die nach bisherigem Kenntnisstand vor allem aus dieser Pflanze bekannt sind. Was steckt dahinter — und warum interessiert sich die Forschung seit Jahrzehnten für dieses unscheinbare Knollengewächs?

⚠️ Hinweis: Dieser Artikel dient der sachlichen Information über Botanik, Geschichte und Forschungsstand von Pueraria mirifica. Er ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Beschwerden, Schwangerschaft, Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme bitte ärztlich abklären.

Was ist Pueraria mirifica?

Pueraria mirifica ist eine Kletterpflanze aus der Familie der Schmetterlingsblütengewächse (Fabaceae), die in Thailand und Myanmar heimisch ist und traditionell vor allem aus Nordthailand beschrieben wird. Verwendet wird die knollenförmige Wurzel, die bis zu mehrere Kilogramm schwer werden kann.

Der wissenschaftliche Name mirifica — lateinisch für „wundersam“ — deutet bereits an, was diese Pflanze von anderen unterscheidet: Ihre Wurzel enthält charakteristische Phytoöstrogene — die Chromene Miroestrol und Deoxymiroestrol — die nach aktuellem Kenntnisstand vor allem aus dieser Pflanze bekannt sind.

In Thailand ist die Pflanze unter dem Namen Kwao Krua Khao (Weißer Kwao Krua) bekannt. Dabei ist die Unterscheidung wichtig: Es gibt mehrere Kwao-Krua-Arten in Thailand:

  • Kwao Krua Khao (Weiß) = Pueraria mirifica — für Frauen, reich an Phytoöstrogenen
  • Kwao Krua Deng (Rot) = Butea superba — traditionell für Männer verwendet
  • Kwao Krua Dam (Schwarz) und weitere Varianten mit anderen Wirkprofilen

Pueraria mirifica ist nicht identisch mit Kudzu (Pueraria lobata), das im Westen als Nahrungsergänzung bekannt ist. Obwohl beide zur Gattung Pueraria gehören, enthält P. mirifica zusätzlich einzigartige Chromene (Miroestrol, Deoxymiroestrol), die in Kudzu nicht vorkommen.

Pueraria mirifica in der thailändischen Pflanzentradition

Die ältesten Hinweise auf Pueraria mirifica werden in der Sekundärliteratur auf alte thailändische Palmblatt-Manuskripte zurückgeführt, die 1931 von Luang Anusarnsoondhorn übersetzt und publiziert wurden. Die historische Überlieferung schreibt der Wurzel unter anderem gedächtnisstärkende und hautpflegende Eigenschaften zu.

In der Traditionellen Thailändischen Medizin (TTM) gilt Pueraria mirifica seit Generationen als geschätztes Tonikum — insbesondere für Frauen in der zweiten Lebenshälfte. Traditionell wurde die getrocknete Wurzel pulverisiert und in Milch oder Wasser eingenommen.

Heute ist Pueraria mirifica in Thailand sowohl als Nahrungsergänzungsmittel als auch in kosmetischen Produkten weit verbreitet. Die Pflanze wird unter kontrollierten Bedingungen angebaut und ist Gegenstand eines eigenen Regulierungsrahmens der thailändischen Gesundheitsbehörden.

Mehr zum kulturellen Hintergrund traditioneller Kräuter aus Thailand: Was ist Traditionelle Thailändische Medizin (TTM)?

Traditionelle Zubereitung von Pueraria mirifica — getrocknete Kwao-Krua-Chips und Pulver in Keramikschale auf Bambustablett
Traditionelle Verarbeitung: Getrocknete Kwao-Krua-Wurzelchips und Pulver — so wird Pueraria mirifica seit Generationen in Thailand zubereitet

Wirkstoffe: Was Pueraria mirifica so besonders macht

Die Wurzel der Pueraria mirifica enthält eine außergewöhnliche Vielfalt an Phytoöstrogenen — pflanzliche Verbindungen, die strukturell dem menschlichen Östrogen ähneln.

Chromene — einzigartig in der Pflanzenwelt

Das Besondere: Pueraria mirifica enthält Miroestrol und Deoxymiroestrol — zwei Chromene, die nach bisherigem Kenntnisstand vor allem aus dieser Pflanze bekannt sind. Sie zeigen östrogenähnliche Aktivität und können an Estrogenrezeptoren binden. In präklinischen Modellen wirken sie östrogen stärker als klassische Isoflavone wie Daidzein oder Genistein.

Deoxymiroestrol gilt in der aktuellen Forschung als der eigentliche Hauptwirkstoff der nativen Pflanze. Miroestrol entsteht möglicherweise erst bei der Extraktion durch Oxidation von Deoxymiroestrol.

Isoflavone und Coumestane

Daneben wurden Isoflavone wie Daidzein, Genistein und Puerarin sowie das Coumestan Coumestrol beschrieben. Daidzein und Genistein kennt man auch aus Soja; Puerarin ist hingegen eher für Kudzu (Pueraria lobata) typisch. Das Inhaltsstoffprofil von Pueraria mirifica unterscheidet sich insgesamt deutlich von dem der Sojabohne.

Pueraria mirifica vs. Soja

SojaPueraria mirifica
IsoflavoneJa (Daidzein, Genistein)Ja, plus Puerarin
Miroestrol / DeoxymiroestrolNicht vorhandenCharakteristisch für P. mirifica
CoumestrolSpurenSignifikant vorhanden
Phytoöstrogene Vielfalt2–3 Hauptgruppen4+ chemische Klassen

Diese Besonderheit hat Pueraria mirifica zu einer der intensiver untersuchten Phytoöstrogen-Pflanzen gemacht — auf PubMed finden sich zahlreiche Publikationen zu ihren Inhaltsstoffen und Wirkungen. Auch andere thailändische Heilpflanzen wie Curcuma longa sind für ihre besonderen sekundären Pflanzenstoffe bekannt.

Was sagt die Forschung?

Zu Pueraria mirifica liegt eine vergleichsweise breite wissenschaftliche Literatur vor. Hier die wichtigsten Studienbereiche:

Wechseljahresbeschwerden

Mehrere randomisierte, kontrollierte Studien (RCTs) haben die Wirkung von Pueraria mirifica bei menopausalen Beschwerden untersucht:

  • Eine 24-Wochen-Studie mit 71 postmenopausalen Frauen zeigte bei täglicher Einnahme von 20–50 mg eine Verbesserung von Parametern der vaginalen Atrophie, einschließlich des Vaginal Maturation Index (Manonai et al. 2007).
  • Eine systematische Übersichtsarbeit (Kongkaew et al. 2018, PMID 29409850) wertete 8 klinische Studien mit insgesamt 309 Patientinnen aus. In 5 von 8 Studien wurde der Klimakterium-Score um rund 50 % reduziert. Die Autoren weisen jedoch ausdrücklich auf methodologische Schwächen der eingeschlossenen Studien hin.
  • Ein doppelblindes RCT (2022) untersuchte ein 6%iges Vaginalgel bei 72 Frauen mit Verbesserungen bei Parametern der vaginalen Atrophie (Warinsiriruk et al. 2022, PMID 35550707).

Einordnung: Die Studienlage ist vielversprechend, aber die meisten Studien haben kleine Fallzahlen. Große, multizentrische Studien stehen noch aus.

Knochengesundheit

Eine 16-monatige Studie an postmenopausalen Primaten zeigte, dass Pueraria mirifica dem kortikalen Knochenmasseverlust entgegenwirken kann — einschließlich verbesserter Knochendichte und reduzierter Knochenumbaumarker (PMID 27601445). Klinische Studien am Menschen zu diesem Endpunkt sind noch nicht abgeschlossen.

Lipidstoffwechsel

Eine kleine klinische Studie (19 postmenopausale Frauen, 2 Monate) beobachtete eine Erhöhung des HDL-Cholesterins um 34 % und eine Senkung des LDL-Cholesterins um 17 % (PMID 19060449). Die Ergebnisse sind klinisch relevant, müssen aber an größeren Gruppen bestätigt werden.

Neuroprotektive Hinweise

Im Tiermodell erhöhte Pueraria mirifica die Synaptophysin-Expression im Hippocampus — ein Marker für synaptische Dichte und damit potenzielle Gedächtnisrelevanz (PMID 18389986). Ob sich diese Befunde auf den Menschen übertragen lassen, ist nicht geklärt.

Sicherheit und Verträglichkeit

Was die Studien zeigen

In kleinen Kurzzeitstudien wurde Pueraria mirifica bei den geprüften Dosierungen (20–50 mg Extrakt oral, 5–6 % topisch) meist gut vertragen. Die häufigsten leichten Nebenwirkungen waren gastrointestinaler Natur (Übelkeit, Magenunbehagen). Allergische Reaktionen wurden selten berichtet und verschwanden nach Absetzen. Zur Langzeitsicherheit liegen bisher nur begrenzte Daten vor.

Da Pueraria mirifica östrogenaktive Substanzen enthält, sind bei längerer Einnahme theoretisch auch Effekte wie Brustspannen oder Blutungsunregelmäßigkeiten denkbar. Eine japanische Kurzzeituntersuchung an 50 Frauen (St. Marianne University, Tokio) testete bis zu 600 mg Wurzelpulver täglich über 7 Tage ohne auffällige Nebenwirkungen.

Für wen ist Pueraria mirifica nicht geeignet?

  • Schwangerschaft und Stillzeit — nicht anwenden
  • Hormonabhängige Erkrankungen — bei bekannten hormonabhängigen Tumoren (Brust, Gebärmutter, Eierstöcke) nicht einnehmen
  • Gleichzeitige Einnahme hormoneller Arzneimittel — nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden
  • Alkohol: In der Herstellerinformation wird von gleichzeitigem Alkoholkonsum abgeraten
  • Männer: Das Produkt ist ausschließlich für Frauen konzipiert

Bei gleichzeitiger Medikamenteneinnahme sollte grundsätzlich ärztlicher Rat eingeholt werden.

Pueraria mirifica kaufen: Worauf achten?

  • Echte Pueraria mirifica: Nicht mit Kudzu (Pueraria lobata) verwechseln — nur P. mirifica enthält Miroestrol/Deoxymiroestrol
  • Kontrollierter Anbau: Die Pflanze wächst wild in Nordthailand; kontrollierter Anbau sichert gleichbleibende Qualität
  • Laborprüfung: Jede Charge sollte auf Reinheit, Schwermetalle und Wirkstoffgehalt geprüft werden
  • GMP-Zertifizierung: Good Manufacturing Practice als Qualitätsstandard
  • Transparente Herkunft: Seriöse Anbieter nennen das Herkunftsland und den Pflanzenteil (Wurzel)
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Häufig gestellte Fragen

Was ist Pueraria mirifica und warum heißt sie „Kwao Krua“?

Pueraria mirifica ist eine Kletterpflanze aus der Familie der Schmetterlingsblütengewächse, die in Thailand und Myanmar heimisch ist. „Kwao Krua Khao“ (Weißer Kwao Krua) ist der traditionelle thailändische Name. Die Pflanze enthält charakteristische Phytoöstrogene — Miroestrol und Deoxymiroestrol — die nach bisherigem Kenntnisstand vor allem aus dieser Pflanze bekannt sind.

Was unterscheidet Pueraria mirifica von Soja?

Beide enthalten Phytoöstrogene wie Daidzein und Genistein. Pueraria mirifica enthält jedoch zusätzlich Miroestrol und Deoxymiroestrol — Chromene, die in präklinischen Modellen östrogen stärker wirken als klassische Isoflavone. Diese beiden Verbindungen sind nach aktuellem Kenntnisstand vor allem aus Pueraria mirifica bekannt.

Ist Pueraria mirifica dasselbe wie Kudzu?

Nein. Kudzu (Pueraria lobata) und Pueraria mirifica gehören zwar zur selben Pflanzengattung, aber P. mirifica enthält einzigartige Chromene (Miroestrol, Deoxymiroestrol), die in Kudzu nicht vorkommen. Die Wirk- und Inhaltsstoffprofile unterscheiden sich deutlich.

Für wen ist Pueraria mirifica geeignet — und für wen nicht?

Das Produkt richtet sich an Frauen, insbesondere in der Perimenopause und Postmenopause. Nicht geeignet ist es für Männer, Schwangere, Stillende, Mädchen unter 18 Jahren sowie Frauen mit hormonabhängigen Tumorerkrankungen. Bei gleichzeitiger Medikamenteneinnahme ärztlichen Rat einholen.

Wie nimmt man Pueraria mirifica ein?

Traditionell wird täglich eine Kapsel mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen — möglichst zur selben Tageszeit. Ein Einnahmezyklus von 90 Tagen mit anschließender einmonatiger Pause wird traditionell so angewendet. Auf Alkohol sollte während der Einnahme verzichtet werden.

Quellen

  • Chansakaow S et al. (2000): Identification of Deoxymiroestrol as the actual rejuvenating principle of „Kwao Keur“. J Nat Prod 63(2):173-5 (PMID 10691701)
  • Okamura S et al. (2008): Pueraria mirifica phytoestrogens improve dyslipidemia in postmenopausal women. Tohoku J Exp Med 216(4):341-51 (PMID 19060449)
  • Chindewa R et al. (2008): Pueraria mirifica increases synaptophysin in rat hippocampal neurons. J Med Assoc Thai 91(12):1828-33 (PMID 18389986)
  • Manonai J et al. (2007): Effect of Pueraria mirifica on vaginal health. Menopause 14(5):919-24 (PMID 17415017)
  • Warinsiriruk E et al. (2022): Efficacy of Pueraria mirifica vaginal gel on genitourinary syndrome of menopause. Maturitas 160:4-10 (PMID 35550707)
  • Kongkaew C et al. (2018): Efficacy and safety of Pueraria mirifica for menopausal symptoms: A systematic review. J Med Assoc Thai (PMID 29409850)
  • Cherdshewasart W et al. (2007): Determination of the estrogenic activity of wild Pueraria mirifica. Maturitas 56(4):405-14 (PMID 18160771)
  • Wikipedia: Pueraria mirifica
  • IPNI: Pueraria mirifica

⚠️ Hinweis: Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Dieses Produkt richtet sich ausschließlich an Frauen. Bei Schwangerschaft, Stillzeit, bestehender Medikation oder hormonabhängigen Erkrankungen vor der Einnahme ärztlichen Rat einholen.